Was ist Wahrnehmung?

In der Psychologie bezeichnet die Wahrnehmung den Prozess, auf den eine Handlung folgen kann. Der Wahrnehmung wird eine Empfindung voraus-gesetzt. Wir möchten den Begriff auseinandernehmen und menschliche Zusammenhänge beleuchten.

Wahren und nehmen

Wahrnehmung setzt sich aus den Teilen Wahr und nehmung zusammen. Ein Blick in ein etymologisches Wörterbuch zeigt das Verb achten als gleichen indogermanischen Ursprung der Wörter wahr und wahren. Vermutlich ist damit das Hüten und Aufpassen gemeint. Zu nehmung weiß das Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm etwas zu sagen. Es bezeichnet Nehmung einerseits als den Prozess des Entgegennehmens, andererseits aber auch als Beschlagnahmung oder Raub. Einen kriminellen Hintergrund können wir jedoch hinter dem Begriff Wahrnehmung ausschließen. Die Wurzeln des Verbs nehmen gehen ins Altgermanische zurück. Es hat wahrscheinlich die gleiche Bedeutung wie heute: etwas greifen.

Wieso sind Wahrnehmungen so verschieden?

An einem Beispiel soll dies verdeutlicht werden; Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat in den Achtzigerjahren ein Modell veröffentlicht: das Kommunikationsquadrat. Es unterteilt eine Nachricht auf vier Ebenen:

  • Sachinformation
  • Selbstoffenbarung
  • Beziehungshinweis
  • Appell

All diese Ebenen werden vom Sendenden unterschiedlich bedient, teilweise bewusst und teilweise unbewusst. Wer kommuniziert, offenbart immer etwas von sich selbst. Zu welcher Beziehung er zum Empfänger steht, teilt er dabei stets ein wenig mit. Jede Nachricht trägt einen Appell, denn sie setzt einen Handlungsbedarf voraus. Der Empfänger nimmt diese Ebenen wahr. Da er aber eigene Bedürfnisse und Vorstellungen hat, filtert er die Nachricht des Senders und erkennt die für ihn wichtige Ebene. Im schlimmsten Fall kommt es dabei zu Missverständnissen. Ähnlich verhält es sich in der ästhetischen Wahrnehmung.

Der Kunsthistoriker Richard Hamann schreibt, dass eine „nicht ästhetisch illustrative Bedeutung der Wahrnehmungen im Kunstwerk Platz haben“ kann. Ein modernes Beispiel: Ein heruntergekommenes, verlassenes Haus kann als unästhetisch empfunden werden; wenn man es fotografiert und das Ergebnis an die Wand hängt, kehrt sich die Wahrnehmung möglicherweise um. Das Haus bekommt eine ästhetische Bedeutung.

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